Skript
Hausstaub besteht aus unterschiedlichsten Substanzen wie z. B. aus Pollen, Schimmelpilzsporen, Haaren und Hautschuppen von Menschen und Tieren, Nahrungsresten, Fasern, getrockneten Sekreten von Pflanzen, (z.B. des Gummibaumes), Federn, Bakterien und vielem mehr. In dieser Biomasse wohnen Kleinstlebewesen wie Staubläuse, Milben und Schimmelpilze zusammen. Milben gehören zu den Spinnentieren. Die Tiere sind 0,3mm gross und deshalb von blossem Auge kaum zu erkennen. Es gibt über fünfzigtausend Milbenarten. Im Hausstaub spielen besonders zwei Arten eine bedeutende Rolle. Ihre Exkremente enhalten Eiweissstoffe,die Allergene, die die Hausstaubmilbenallergie auslösen. Eine Sanierung bedeutet nicht nur die Reduktion der Milben, sondern auch die Beseitigung des Milbenkots. Eine Milbe lebt etwa sechs Wochen und produziert in dieser Zeit das 200-fache ihres Körpergewichtes an Kot, 20-40 Kotbällchen täglich. Damit kann sich in einer Matratze in einigen Jahren bis zu einem halben Kilo Milbenkot ansammeln.
Das Vorkommen von Milben ist keine Folge von mangelnder Sauberkeit. Betroffen sind über 90% aller Haushalte. Eine Hausstaubmilbensanierung kann nicht einmalig durchgeführt werden, sondern erfordern einen ständigen, wiederholten Aufwand.
Eine Milbenallergie äussert sich durch chronischen Schnupfen, das heisst verstopfte Nase, vermehrt in den Monaten der kälteren Jahreszeit. Ebenso können Husten und Anfälle mit Luftnot als Zeichen eines Asthma bronchiale auftreten, typischerweise bei sportlicher Betätigung oder beim Einatmen von kalter Luft. Patienten mit Neurodermitis können durch Kontakt mit den Allergenen eine Verstärkung ihrer Ekzeme erfahren. Auch ständig entzündete Augen können durch eine Allergie verursacht sein.
Die Matratze stellt das Hauptreservoir für Hausstaubmilben in unserem Haushalt dar und ist deshalb der effizienteste Ansatzpunkt unserer Sanierung. Durch eine Umhüllung der Matratze mit einem sogenannten "Encasing" können wir einerseits verhindern, dass Hautschuppen in die Matratze gelangen, die die Milben ernähren, andererseits verhindert die Hülle auch den direkten Kontakt unseres Körpers mit dem Milbenkot in der Matratze.
Viele Hersteller von Encasings verwenden Mikrofasergewebe. Diese sind so dicht gewoben, dass keine Milben und Allergene das Gewebe durchdringen können, sind aber dennoch feuchtigkeits- und luftdurchlässig genug, um unser Schlafklima nicht zu beeinträchtigen, auch dann nicht, wenn wir stark schwitzen.
Andere Materialien sind zum Teil nicht absolut milbendicht und lassen zuwenig Feuchtigkeit vom Körper verdunsten, was den Schlafkomfort beeinträchtigt.
Auch die Bettwäsche ist mit Hausstaubmilbenallergenen kontaminiert, allerdings bedeutend weniger als die Matratze.
Es ist deshalb nicht eindeutig erwiesen, dass eine Umhüllung des Duvets und des Kissens erforderlich sind. Sinnvoll ist in jedem Fall eine Umhüllung des Kopf- und atemwegsnahen Kissens.
Die Bettwäsche sollte mindestens einmal wöchtentlich bei sechzig Grad gewaschen werden, was sie von Milben und Allergenen weitgehend befreit.
Studien haben gezeigt, dass Daunenduvets und -kissen weniger stark von Milben besiedelt sind als synthetische.
Ähnlich wie Matratzen können auch Polstermöbel beträchtliche Mengen an Milben beherbergen. Nur lederbezogene Polster sind kaum von Milben besiedelt.
Ein weiterer Schritt zum Staub- und milbenarmen Haushalt stellt der Verzicht auf Teppiche dar, denn diese sind ebenfalls ein grosses Milbenreservoir. Es ist erwiesen, dass sie eine viel höhere Allergenbelastung aufweisen als wischbare Böden. Pflanzliche und synthetische Gewebe, in die sich Milben verkriechen können, gehören zu ihrem bevorzugten Lebensraum, ihre Dichte ist an den vom Menschen am häufigsten frequentierten Stellen oder in feuchten Nischen am höchsten, weil die Milben dort abgeschilferte Hautschuppen als Nahrung finden.
Mit Staubsaugen und Schamponieren des Teppichs ist es zwar möglich, Milbenkot zu entfernen, nicht aber die Milben selbst. Wo es nicht möglich ist, Teppiche zu entfernen, können Milben mit Benzylbenzoat (0.03%) abgetötet werden. Diese Prozedur muss mindestens zweimal jährlich wiederholt werden.
Selbstverständlich hilft regelmässiges Staubsaugen, Staub und den darinliegenden Hausstaubmilbenkot zu entfernen. Leider wird dabei auch Staub aufgewirbelt, der die Atemluft mit Allergenen anreichert. Besonders die dem Staubsauber entweichende Luft ist allergenreich. Um diese zu filtern bieten die meisten Staubsaugerhersteller mit Spezialfiltern versehene Modelle an meist unter der Bezeichnung HEPA-Filter.
Auch Stofftiere sind eine beliebte Milben-Residenz. Die Milben lassen sich abtöten, indem man die Tiere je nach Grösse bis 48 Stunden bei minus 20 Grad Celsius in ein Gefrierfach legt. Anschliessend sollte man sie waschen, um die toten Milben herauszuspülen.
Hausstaubmilben und Schimmelpilze mögen es feucht. Bei einer Luftfeuchtigkeit zwischen 55 und 75% gedeihen sie optimal.
Es ist deshalb sehr wichtig, die Feuchtigkeit im Wohnraum unter 50% zu halten und allenfalls mehrmals täglich durch kurzes, intensives Lüften zu reduzieren.
Mit Beginn der Heizperiode sterben die meisten Milben ab, weil die Raumluft wesentlich trockener wird. Nur Milben, die sich tief in Gewebe von Polster und Matratze zurückziehen können überleben, um im kommenden Frühjahr wieder einen neuen Vermehrungszyclus zu beginnen. Eine eher tiefe Temperatur im Schlafzimmer hilft zusätzlich gegen Milben.
Der trockenen Heizungsluft wegen sind Luftbefeuchter beliebte Feuchtigkeitsspender. Besonders sogenannte Verdunster bergen jedoch die Gefahr des Schimmelpilzbefalles und können zu wahren Keimschleudern werden indem sie Sporen, Keime, Bakterien und Viren in die Raumluft verteilen. Für empfindliche Personen sind deshalb sogenannte Verdampfer günstiger, obwohl diese mehr Strom verbrauchen. Eine Kontrolle der Luftfeuchtigkeit mit einem Hygrometer ermöglicht es, die idealen Werte von 40-50% einzuhalten. Noch besser ist es, den Befeuchter mit einem Hygrostaten enegiesparend zu steuern.
Luftreiniger sind wenig geeignet, die Allergenexposition wesentlich zu verringern. Sie können zwar Allergene aus der Luft ausfiltern, allerdings schweben Milbenallergene nur kurz in der Luft, nachdem sie aufgewirbelt wurden und setzen sich dann wieder, weil sie an andere Partikel gebunden sind und deshalb zu gross und zu schwer sind, um lange genug in der Luft zu schweben, um von einem Luftreiniger erfasst zu werden.